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Das Beratungsmodell |
Die Beratung von
Landwirtsfamilien oder auch Altenteilern nimmt ihren Ausgang meist in
betrieblichen Problemen.
Die Gründe aber sind wesentlich vielschichtiger! Die Varianten grenzenlos.
Die landwirtschaftliche Lebens-
und Arbeitswelt und die immer wieder anstehende Bewältigung von
Krisensituationen ist mit tiefgreifenden sozialen und
ökonomischen Veränderungen verbunden, welche allgemein als „Strukturwandel“
bezeichnet werden.
Aus ökonomischer Sicht
betrachtet ist Wandel notwendige Voraussetzung von wirtschaftlichen
Weiterentwicklungen und ein Zeichen von Anpassungsfähigkeit.
Aus der Sicht der Betroffenen kann Wandel, der
sich daraus ergibt, dass Veränderungen oder neue Wege
beschritten werden, das Lebensgefühl der Betroffenen stärken und ihre
Lebensqualität erhöhen. Der Wandel allerdings, welcher aus äußeren
Umständen entsteht und welchen die Betroffenen kaum beeinflussen können,
wird als ungerechtfertigter Zwang erlebt. Wandel, der wesentliche persönliche
Ziele und Bedürfnisse blockiert, führt in schwerwiegende Konflikte,
mit vielfältigen Folgen für Handlungsfähigkeit, Sozialverhalten und Gesundheit.
Deshalb ist die
Landwirtschaftliche Familienberatung auf den Ratsuchenden als Menschen bezogen
und stellt, anders als in der klassischen betrieblichen
(sozio-ökonomischen) Beratung, im stärkeren Maße noch mehr als
bisher, menschliche und soziale Hilfen in den Vordergrund.
Selbständigkeit gewinnen und eigene Entscheidung treffen!
In Situationen von
"Ratlosigkeit" sollte Beratung gesucht werden.
Dies insbesondere dann, wenn die Betroffenen keine
eigenen, zuverlässigen Lösungswege mehr finden. Gelingt das Ratgeben, mithin die
Beratung, dann gewinnt der Ratsuchende Einsicht in seine Situation und in seine
Handlungsmöglichkeiten. Ziel und Weg werden für ihn erkennbar. Es erscheint ein
Licht am Ende des Dunkels.
Gleichzeitig geschieht etwas,
was für die Funktion von Beratung nicht hoch genug
bewertet werden kann:
Die Ratsuchenden werden für die Lösung ihrer Probleme und für die Erreichung ihrer
Ziele wieder selbst handlungsfähig und gewinnen daraus Selbstachtung und
Zufriedenheit.
Wenn es gelingt, Probleme
anzusprechen und ihre Tabuisierung langsam aufzuheben, wenn es gelingt, dass die
Familienmitglieder wieder mehr voneinander erfahren, miteinander Reden, festgefahrene Wege lockern,
dann ist der erste Schritt zum angestrebte Ziel der Landwirtschaftlichen
Familienberatung schon erreicht.
Häufig erleben Ratsuchende durch das
Beratungsgespräch schon eine Entlastung vom Leidensdruck. Sie fühlen sich
erleichtert und können die Problemsituation und alternative Lösungen aus einer
gewissen Distanz wieder erkennen.
Die objektiven Probleme bestehen zwar nach wie vor, aber die
Möglichkeit einer vom Handelnden verantworteten Entscheidung ist durch Beratung
erheblich verbessert worden.
Die Begrenztheit des Angebots und
des Leistbaren der haupt- und ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater wird
mit aller Deutlichkeit herausgestellt. An die Grenzen stößt unsere Arbeit, wenn
manifeste, psychische Störungen, akute Krankheiten oder Süchte bei den
Ratsuchenden akut sind. Die Landwirtschaftliche Familienberatung kann, will und
darf keine Therapie leisten oder ersetzen.
Die Übergänge zwischen psychosozialer
Beratung und Therapie sind fließend, jedoch sachlogisch voneinander streng
getrennt.
Als System betrachtet ist die Familie so ein Ganzes. Sie ist etwas qualitativ anderes als die Summe ihrer Teile, mit denen sie sich in Wechselwirkung befindet. Systeme lassen sich in Hierarchien einordnen. So kann die Vater-Tochter-Koalition ein Subsystem der Familie sein, die landwirtschaftliche Familie ein Subsystem der Nachbarschaft, diese wiederum eines des Dorfes.
Ablauf unseres Beratungsangebotes
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Anruf eines Ratsuchenden bei der LFB |
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| Anrufbeantworter | Mitarbeiter der LFB | ||
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Name und Telefonnummer hinterlassen |
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| Rückruf durch die LFB | |||
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Anliegen des Ratsuchenden
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Beratungsteam wird entsprechend der Beratungsproblematik zusammengestellt
Beratungsteam setzt sich mit dem Ratsuchenden in Verbindung und vereinbart einen Beratungstermin
Erstgespräch
- Informationssammlung zum
vorliegenden Problem
- Erörtern der Vorgehensweise
- Entscheidung über die Zusammenarbeit
Weitere Gespräche
- individuelles Vorgehen
- Anzahl der Gespräche orientiert sich am Beratungsbedarf
Beispielberatung
Die Stimme einer jungen Frau ist am
Telefon zu hören. Sie schildert zaghaft mit spürbarer Aufregung, dass es
Probleme mit den Schwiegereltern gibt und sie es so, wie es jetzt auf dem Hof
ist, nicht mehr aushält. „Wenn es nicht anders wird, dann gehe ich“, sind ihre
Worte
Nach dem Telefonat überlegen die
hauptamtlichen Mitarbeiter der LFB, wer von den Beratern für Arbeit mit dieser
Problemsituation besonders gut geeignet ist und es wird ein Team aus einem
Berater und einer Beraterin zusammengestellt.
Es kommt zu einer schnellen
Terminvereinbarung, denn der jungen Frau scheinen die Probleme mit den
Schwiegereltern, Kindern und dadurch auch mit dem Ehemann über den Kopf zu
wachsen.
Die beiden ehrenamtlichen Berater
erscheinen im Haus der jungen Familie. Das Ehepaar macht einen offenen,
erwartungsvollen Eindruck.
Nach ein paar zögernden Sätzen der
jungen Frau, sprudeln die Worte nur so heraus. Die Berater spüren die
Erleichterung, die das Sprechen mit sich bringt. Der Ehemann äußert sich
zurückhaltender und betont sachlich. Beide sind sich einig, dass das Verhalten
seiner Eltern ihr Zusammenleben stark beeinflusst und zu Streit, schlechter
Laune und ewigen Konflikten führt. Der gesamte Alltag wird nur noch vom Thema
Eltern beherrscht. Es muss schnell eine Lösung her und beide schauen die Berater
erwartungsvoll an.
Wie so oft, ist auch dieses Ehepaar der
Meinung, dass die Berater mit ein paar Tipps ihr Problem lösen.
Doch das kann nicht funktionieren. Die
Berater helfen bei der Analyse und schauen gemeinsam mit den Ratsuchenden nach
der Ursache der Probleme und nach Problemlösungsmöglichkeiten
Bei der Auseinandersetzung mit den
Problemursachen merken beide, dass sie gefordert werden. Es tut ihnen allerdings
auch gut, Wünsche, Vorstellungen über ihr Zusammenleben und eigene Ziele zu
formulieren und darüber zu diskutieren.
Erfreulicherweise bleibt es nicht nur
bei den Gesprächen mit dem Beraterteam. Das Ehepaar spricht jetzt sehr oft
miteinander über die gegenseitigen Erwartungen zur Problemlösung und merken,
dass es ihnen dabei besser geht. Der Umgang mit den Eltern hat sich aufgrund der
neuen Gesprächsbereitschaft ebenfalls verändert.
Beiden wurde klar, dass die jeweiligen
Vorstellungen des Anderen oft entgegengesetzt waren – allerdings nie darüber
geredet wurde und so war das Zusammenleben von Mutmaßungen und
Missverständnissen geprägt, was die Stimmung und den Umgang miteinander negativ
beeinflusste.
Die Stimme einer jungen Frau ist am
Telefon zu hören. Sie ist optimistisch und voller Tatendrang.
Die
Beratungssituation
In der
Landwirtschaftlichen Familienberatung klingelt das Telefon. Es ist der
Landwirt Alfred S. Er weiß nicht mehr weiter. Die Banken haben ihm den Geldhahn
zugedreht. Wolfgang Scharl, Leiter der LFB, stellt ihm ein paar kurze Fragen
nach den genaueren Umständen und vereinbart einen Termin. Für das anstehende
Gespräch sucht er einen Berater aus, der sich auf betriebswirtschaftliche
Problemfälle spezialisiert hat.
Alfred S.
hatte investieren müssen, um seinen Milchviehbetrieb erhalten zu können. Zudem
kamen seine Eltern mit der Schwiegertochter nicht klar. Alfred S. baute sein
Haus um, so dass es zumindest getrennte Wohnungen gab. Die zusätzlichen Kosten
brachten ihn an den Rande des Ruins, aber aus Liebe zu seiner Frau sah er keinen
Ausweg. "Irgendwann hat die Bank nicht mehr mitgespielt", erzählt er.
Das erste Beratungsgespräch soll helfen, wieder klarer zu sehen. Man will für die
Menschen da sein und ihnen zuhören, erklärt Wolfgang Scharl. Die LFB bietet aber keine
Lösungen an, sondern will lediglich Hilfe zur Selbsthilfe geben.
"Wenn wir es
schaffen, zerstrittene Familien wieder an einen Tisch bringen, ist das schon
Gold wert", freut sich Wolfgang Scharl.
Bei Alfred S. half schon ein gemeinsamer Besuch bei der Bank vorerst
geholfen.
"Durch die zwei
Herren wirkte ich gleich glaubhafter!"
Dass die sonst so bürokratischen Banken
ganz anders reagieren, wenn noch jemand dabei ist, bestätigt auch Jörgen
Spindler, heute ehrenamtliche Berater, welcher im Management der
Landwirtschaftlichen Sozialversicherung Unterfranken arbeitete und vor allem
Klienten wie Alfred S. berät.
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| Wolfgang Scharl leitet die Landwirtschaftliche Familienberatung in Würzburg |
Konflikte,
wie der von Alfred S. sind ein häufigste Problem.
Zum Generationenproblem kommen
oft Eheprobleme dazu. "Ich stand halt immer dazwischen, wenn was war!", sagt er.
Viele Klienten haben ganz andere Sorgen: Geschwister streiten um den Bauernhof,
oder gesundheitliche Beschwerden belasten einen Bauern so, dass er sich
überlegen muss, wie es weitergehen soll.
Auf die Frage, was ihm
die LFB gebracht habe, antwortet Alfred S.: "Die Banken glauben mir wieder." Die
Berater konnten die drohende Zwangsversteigerung abwenden. "Sicher,
zurückzahlen muss ich die Kredite selber, aber ich kann ruhiger schlafen." Wenn
hin und wieder ein Brief von der Bank kommt, dann "hängt der Kopf mal wieder für
zwei Tage", aber die Arbeit lenke ihn ab, und er sehe wieder einen Sinn darin.
Eine Aussage ist oft die Gleiche:
Wenn ich nur früher zur Beratung gegangen wäre!!